Ehrenamt des Quartals: Malteser in Neu-Ulm

Im Rahmen des Netzwerks Ehrenamt stellt die Neu-Ulmer Ehrenamtsbörse jedes Quartal eine Organisation oder einen Verein aus dem Netzwerk vor. Dieses Quartal werden die Malteser besonders in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Im Interview mit der Koordinatorin der Malteser berichtete Frau Eble über die Aufgaben und Ziele sowie die Voraussetzungen und Vorteile für die Ehrenamtlichen bei den Maltesern.

Ehrenamtsbörse: Was macht die Organisation der Malteser in Neu-Ulm?

Freiwillige Helferin der Malteser Liefert Lebensmittelpaket

Frau Eble: Wir sind seit 1976 in Neu-Ulm. Anfangs haben wir ausschließlich Besuchsdienste angeboten, inzwischen haben wir schon fünf verschiedene soziale Dienste. Diese Dienste richten sich an ältere Leute, Obdachlose, einsame Leute und Flüchtlinge.
Der erste Dienst beschäftigt sich mit Flüchtlingsarbeit und heißt „FaF“ – das bedeutet „Fremde als Freunde“. Dieser fing 2015 im Zuge der großen Flüchtlingswelle mit einer Teestube an, damit die Flüchtlinge eine Anschlussstelle hatten, mit Ehrenamtlichen sprechen und Hilfe bekommen konnten. Das hat sich dann zu ganz vielen verschiedenen Angeboten erweitert. Heute kommen die Flüchtlinge meist nicht mehr zu uns, um Kontakt zu knüpfen, sondern zurzeit sind es besonders bildungs- und berufsorientierte Maßnahmen wie zum Beispiel Nachhilfekurse, Vorbereitungskurse zum Gabelstaplerführerschein, Einführungskurse in die Lagerlogistik und Gastronomie und Computer-Kurse.
Ein weiterer Dienst den wir in Neu-Ulm anbieten ist der Sitztanz. Hierfür fahren Freiwillige in Altersheime und machen rhythmische Gymnastik und Tanz mit älteren Leuten die mobil eingeschränkt sind. Diese sitzen dann im Kreis und üben Bewegungen zur Musik, die nicht nur gut für die Muskulatur und die Gelenke sind, sondern vor allem für die geistige Vitalität.
Außerdem haben wir „Neu-Ulm packt’s“. Das sind Lebensmittelpakete gegen Altersarmut für Leute über 65, die finanziell bedürftig und mobil eingeschränkt sind. Das heißt, die Leute können nicht selber zum Tafelladen gehen und haben vielleicht auch keine Familie die ihnen dabei helfen kann. Dann kommen einmal im Monat zwei HelferInnen von uns mit einer Kiste voller Lebensmittel mit Grundnahrungsmitteln und frischem Obst und Gemüse vorbei. Ein weiterer Dienst den wir anbieten ist der Besuchs- und Begleitdienst. Das ist auch ein Dienst für ältere Leute die einsam sind. Zurzeit besuchen die Ehrenamtlichen hauptsächlich Leute im Altersheim, wir wollen aber verstärkt die Menschen die noch daheim wohnen und einsam sind mit einbeziehen. Allerdings ist es schwierig diese Leute zu erreichen, weil sie sich ungern melden. Da versuchen wir wirklich zu signalisieren, dass die Leute sich nicht schämen müssen – dafür haben wir unsere Hilfsangebote!
Unser neuester Dienst ist der Suppentreff – den haben wir seit November 2018. Dieser Treff findet zweimal im Monat mittwochs von 16 bis 19 Uhr statt. Hier können Obdachlose und andere Bedürftige kommen und bekommen einen Eintopf und danach Kaffee und Kuchen. Wir halten das Essen bewusst einfach, denn es geht einfach darum, ein warmes Essen zu bekommen und hier sein zu können. Es ist toll wie der Treff angelaufen ist. Im November waren es noch acht Besucher und jetzt kommen schon circa 30 Leute. Ein Metzger beliefert uns einmal im Monat mit Essen, als Spende. Auch das restliche Essen wird über Spenden finanziert. Unser Ziel ist es die Suppenküche wöchentlich und nicht nur alle zwei Wochen anzubieten.

Freiwillige Helfer der Malteser

Ehrenamtsbörse: Welche Eigenschaften sollten Ehrenamtliche bei Ihnen mitbringen?

Frau Eble: Die Ehrenamtlichen sollten sozial eingestellt sein und Einfühlungsvermögen haben, weil man es mit Einzelschicksalen zu tun hat und viele Leute jemanden zum Sprechen brauchen. Auch Diskretion ist sehr wichtig, damit man das, was man hier hört nicht weitergibt. Außerdem sollte man gerne andere Leute kennenlernen wollen und offen sein.

Ehrenamtsbörse: Wieso sollten sich die Ehrenamtlichen bei Ihnen engagieren?

Frau Eble: Ich finde, dass wir bei uns wirklich eine tolle Gemeinschaft haben. Bei uns engagieren sich Ehrenamtliche im Alter von 20 bis 80 Jahren, das ist eine Bereicherung für alle. Außerdem ist es eine große Stärke von uns, dass wir eine christliche Organisation sind, weil wir die christlichen Werte vertreten. Aber wir sind natürlich für alle da, auch für Nichtgläubige und Andersgläubige. Auch als Helfer muss man nicht katholisch sein – jeder der hilft ist toll!

Ehrenamtsbörse: Wie meldet man sich bei Ihnen für ein Ehrenamt an?

Frau Eble: Zur Anmeldung kann man bei uns anrufen und sich für ein Beratungsgespräch anmelden. Nach dem Beratungsgespräch kann man auch in die verschiedenen Angebote reinschnuppern und durchwechseln, da sind wir ganz flexibel.

Helfer beim Suppentreff in Neu-Ulm

Ehrenamtsbörse: Bei welchen Projekten haben Sie besonders großen Bedarf an Ehrenamtlichen?

Frau Eble: Besonders die Hilfe im Flüchtlingsbereich hat sehr nachgelassen. Wir haben großen Bedarf an Helfern für Nachhilfe für Flüchtlinge in der Berufsschule.
Außerdem suchen wir Helfer für den Suppentreff. Da brauchen wir jedes Mal zwischen 4 und 5 Helfer, die beim Auf- und Abbau helfen, aber auch für das „Zwischenmenschliche“ da sind. Dieses Projekt ist uns sehr wichtig, um zu zeigen, dass wir uns auch um die Einheimischen kümmern.
Außerdem suchen wir dringend größere Räumlichkeiten in der Neu-Ulmer Innenstadt, da es bei uns langsam einfach zu klein wird. Es ist wichtig, dass wir in der Innenstadt sind, da die Obdachlosen, ältere Menschen, Flüchtlinge und auch Helfer zumeist zu Fuß oder mit dem Rad zu uns kommen.

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